Karl Poppers wichtiges Erbe in Alpbach
Zum 80. Mal kommen in Alpbach Wissenschaftler:innen und Gestalter:innen zusammen. Diesmal nimmt auch Nile Gardiner von der Heritage Foundation teil. Diese Denkfabrik in Washington unterstützt Donald Trump. Ihr Masterplan „Projekt 2025“ gilt als Vorlage für seine Politik in der zweiten Amtszeit.
Laut Büro des Forums Alpbach brauche es eine Person, die den Standpunkt (Trumps) auch tatsächlich vertrete, um die Situation zu verstehen und daraus Konsequenzen für Europa abzuleiten. Diese Begründung wäre im Fall anderer Großkonferenzen wie der Münchener Sicherheitskonferenz oder dem Weltwirtschaftsforum in Davos plausibel.
Doch am Forum Alpbach hat ein Vertreter des Trump-Lagers aus Prinzip nichts zu suchen. Denn das Forum wurde vom Wiener Widerstandskämpfer Otto Molden und dem Innsbrucker Philosophie-Dozenten Simon Moser gegründet. Ziel waren der intellektuelle Neuaufbruch und europäische Verständigung nach 1945.
Als Gründerlegende des Forums Alpbach gilt der österreichisch-britische Philosoph Sir Karl Popper. „Die geistige Befruchtung des Europäischen Forum Alpbach, die insbesondere in den ersten 15 Jahren von ihm ausging, ist nicht hoch genug einzuschätzen,“ heißt es auf der Website des Forums. Popper betonte die Bedeutung der Demokratie als Schutz vor Tyrannei und als System, das die Absetzung von Regierungen ermöglicht. Er warnte davor, Autokraten zu tolerieren. Sein Werk, „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ wurde regelmäßig in Alpbach diskutiert. Popper argumentierte darin: „Im Namen der Toleranz sollten wir uns das Recht vorbehalten, die Intoleranz nicht zu tolerieren.“
Diese Linie Poppers sollte der neue Alpbach-Präsident Othmar Karas klar und offensiv ziehen. Denn auch ohne Herrn Gardiner hätten die Gäste heuer genug zu besprechen. Etwa, wie wehrhafte Demokratie als Kompetenz und Haltung eines jeden von uns gestärkt werden kann. Oder, wie wir uns nicht – und nie – an Unrecht gewöhnen.
Tiroler Tageszeitung, Gastkommentar 18. August 2025

