In dieser Juni-Folge des HOPEPUNK-Podcasts begrüßt Initiatorin und Gastgeberin Mayte Schomburg Verena Ringler von AGORA.Verena Ringler formuliert drei zentrale Thesen:
beschreibt sie die Europäische Union als die einzige Weltmacht, die bereits in ein umfassendes, vielschichtiges Infrastruktur-Netzwerk der Resilienz investiert hat. Die entscheidende Aufgabe besteht nun darin, dieses scheinbar „weiche“ Ökosystem systematisch mit sicherheitspolitischen Überlegungen zu verknüpfen.
Im Zentrum steht laut Ringler das Konzept einer präventiven EU-Sicherheitspolitik. Diese zielt darauf ab, bestehende, oft unterschätzte oder bislang ungenutzte Resilienz-Infrastrukturen der EU zu aktivieren und strategisch einzubinden. Resilienz ist dabei weit mehr als Krisenreaktion oder klassische Sicherheitspolitik. Sie gründet, so Ringler, auf einer einzigartigen Beziehungsinfrastruktur, die seit dem Vertrag von Maastricht durch Programme wie Erasmus+, Horizon Europe oder Interreg gewachsen ist. Diese Netzwerke sind keine „weichen“ Ergänzungen – sie bilden das Fundament europäischer Sicherheit: durch Vielfalt, Flexibilität und Redundanz, also genau jene Eigenschaften, die resiliente Systeme auszeichnen.
Über Jahrzehnte hinweg haben sie Vertrauen, Kooperation und gesellschaftliche Handlungsfähigkeit über Regionen, Sektoren und Generationen hinweg aufgebaut. Ringler plädiert daher für eine institutionenübergreifende Bestandsaufnahme dieser Investitionen sowie für eine deutlich stärkere Anerkennung ihres sicherheitspolitischen Werts. Aus ihrer langjährigen Beobachtung von Transformationsgesellschaften folgert sie: Akteurinnen und Akteure, die lokal verankerte Veränderungsprozesse vorantreiben – von Architektur über Wirtschaft bis hin zu Jugend, Gesundheit, Klimaanpassung und Biodiversität – übernehmen im Krisenfall häufig eine übergreifende Führungsrolle.
Diese vermeintlich „weichen“ Infrastrukturen müssen daher integraler Bestandteil der Sicherheits- und Resilienzdebatten in Brüssel und den europäischen Hauptstädten werden.
beschreibt Verena Ringler Hoffnung als Kompetenz, Kompass und als Ausdruck von Widerstand.
Hoffnung ist eine Kompetenz, weil sie eingeübt und kultiviert werden muss. Sie ist ein Kompass, weil sie Orientierung bietet im Spannungsfeld zwischen extraktiven und regenerativen Akteuren und Projekten. Und sie ist ein Ausdruck von Widerstand, weil Hoffnung zeigt, wie sehr sich Menschen und Institutionen auch unter Bedingungen von Kurzfristigkeit und neuer Oligarchisierung für das Allgemeininteresse, das Gemeinwohl und demokratische Gestaltungskraft einsetzen.
beleuchtet Ringler die sogenannte Flamingo-Revolution in Albanien als ein verspätetes „1989-Moment“.
Als Kennerin des Westbalkans beschreibt sie diese zivilgesellschaftliche Bewegung als Beispiel dafür, wie langfristige, professionelle Arbeit der Zivilgesellschaft transformative Wendepunkte in der Geschichte von Ländern und Regionen ermöglicht. Was wie ein plötzlicher Durchbruch erscheint, ist laut Ringler in der Regel das Ergebnis jahrelanger – oft jahrzehntelanger – geduldiger Aufbauarbeit, Koalitionsbildung und öffentlicher Auseinandersetzung. Solche Momente bringen eine zuvor verborgene gesellschaftliche Kraft an die Oberfläche – eine Ressource, die es sowohl in stabilen Zeiten als auch in Krisen zu erkennen und gezielt zu stärken gilt. Nichtstaatliche Akteure – von Zivilgesellschaft über innovative lokale Unternehmen bis hin zu wissenschaftlichen Einrichtungen – erweisen sich dabei als die verlässlichsten Mitgestalter und Problemlöser demokratischer Systeme. Ringlers Fazit: Europas Resilienz gründet auf seiner einzigartigen Beziehungsinfrastruktur. Hoffnung muss als zentrale demokratische Ressource aktiv gepflegt werden. Und nachhaltiger demokratischer Wandel entsteht durch langfristige, oft unsichtbare Prozesse unterhalb der öffentlichen Aufmerksamkeitsschwelle.

