Es hat immer zwei Lager gegeben: jenes, das gierig war und ausbeuten wollte – Erde, Wälder, Körper, Zukunft. Paulus Niavis ließ 1492 die „Mutter Erde“ vor Gericht treten: ausgeplündert, verwundet, vergewaltigt.
Und es gab immer auch jenes andere Lager: Menschen, die sorgsam umgehen, Ökosysteme pflegen und erhalten, Lebensgrundlagen weitergeben wollten.
Diese Spannung – oft sogar Konfrontation – haben wir open-air in einem buchstäblichen Parcours untersucht. Mit außergewöhnlich wachen Gästen, die so viel Eigenes zu erzählen haben aus ihrer deutsch-slowenischen Erfahrung und Praxis heraus.
Wir sind den Wurzeln gefolgt: dem Sonnengesang des Franz von Assisi, der Sonne, Wind, Wasser und Erde als Brüder und Schwestern anspricht – und uns damit ein 800 Jahre altes ökologisches Manifest hinterlassen hat.
Hemma von Gurk, die vor rund 1.000 Jahren Vermögen nicht verbrauchte, sondern in Bildung und langfristige Stiftungen für das Waldmanagement verwandelte.
Rachel Carson, deren Stummer Frühling zeigte, wie Gift durch Nahrungsketten wandert, von welchen menschlichen Taten das „Schweigen im Walde“ erzählt. Wie desaströs auch das Schweigen wohlmeinender, aber passiver Unterstützer:innen ist.
Oder Angela Piskernik: Botanikerin, erste slowenische Doktorin der Naturwissenschaften aus Kärnten, Widerstandskämpferin, Überlebende von Ravensbrück, Pionierin grenzüberschreitenden Naturschutzes. Ihre Vision eines Naturparks über die Karawanken hinweg lebt im Geopark Karawanken, im Grünen Band und in der Idee europäischer Zusammenarbeit weiter. Sie verbindet Wissenschaft, Zivilcourage, Frauen- und Friedensgeschichte mit Biodiversität.
Auch Venedig erzählt davon: eine Stadt, die für ihre Macht und Fülle Holz brauchte, „Vorsorger für den Wald“ einsetzte – und doch lernte, dass Ressourcenpolitik ohne das Wissen und die Einbeziehung der Menschen vor Ort scheitert.
Der Friedenspalast in Den Haag erinnert uns an Bertha von Suttner, internationales Recht, die Erd-Charta und SDG 16: Ohne Frieden, Gerechtigkeit und verlässliche Institutionen keine wirksame Politik für den Planeten.
Der Green Deal? Keineswegs Bürokratie Monster. Vielmehr weitsichtige Chance und Fahrplan für europäische Ökosysteme, Resilienz und präventive Sicherheitspolitik.
Aus unserem dichten wie kurzweiligen Parcours haben wir drei Erkenntnisse abgeleitet:
1. Global denken, lokal handeln.
Wenn die Welle scheinbar zu groß über uns bricht: weit unten durchschwimmen. Am besten mit anderen. Rückblickend waren es vor großen Umbrüchen oft kapillare Netzwerke – unscheinbar, beharrlich, vernetzt. Von den Spinozisten bis zu den Menschen, die in Leipzig jahrelang jeden Montag in der Nikolaikirche zusammenkamen, bevor 1989 die Mauer fiel. Widerstand beginnt selten laut. Er beginnt in Räumen, die noch niemand für wichtig hält.
2. Durchhalten.
Das Lokale ist keine Nische und kein minderwertiger Ort. Es ist der Ort, an dem Abstraktes greifbar und Alternativen vorstellbar werden. Gegenständliches Handeln üben, ernst nehmen, kultivieren – und wo möglich gemeinsam organisieren.
3. Sobald Einfluss möglich ist: Strukturen schaffen.
Wer kann, schaffe Infrastrukturen. Stiftungen, Gebäude, verbindliche Vereinbarungen, Institutionen, die über den nächsten Newszyklus hinauswirken. Gerade gemeinwohlorientierte Stiftungen haben sich oft als widerstandsfähig erwiesen, weil sie Verantwortung über Generationen binden. Strukturen schaffen, das ist kleinteilige und oft unsichtbare Arbeit. Weit weg von Instagram. Genau deshalb so wirkungsvoll.
Was, wenn wir uns unserer konkreten Möglichkeiten bewusst werden?
Was die Teilnehmer unseres Parcours mitgenommen haben, war mehr als ein historischer Rückblick. Es war ein Perspektivenwechsel.
💡 Nachhaltigkeit ist keine Erfindung unserer Zeit. Visionäre Gedanken darüber, wie Menschen mit der Natur leben können, ziehen sich durch die Jahrhunderte – oft getragen von mutigen Persönlichkeiten, darunter vielen Frauen, die ihrer Zeit voraus waren.
🌱 In dunklen Zeiten das Helle vorbereiten. Provokation, Konfrontation gab es immer. Genauso allerdings die Suche nach Lösungen. Entscheidend ist, dranzubleiben, Ideen weiterzuentwickeln. Selbst wenn dies für lange Zeit in unscheinbaren Räumen passiert.
✨ Vermeintliche „Spinner“ sind Wegbereiter von morgen. Visionäre Ideen werden oft unterschätzt. Dabei können gerade sie entscheidend sein, um die Zukunft unserer Welt zu sichern.
🎨 Kultur bewegt, lange bevor sich etwas verändert. Sie ist wie ein Seismograph. Sie macht Zusammenhänge und Widersprüche sichtbar, öffnet neue Perspektiven und gibt gesellschaftlichem Wandel und Governance Debatten wichtige Impulse.
🌍 Und wie lässt sich dieses Wissen heute in die Zukunft übersetzen? Etwa mit einer bioregionalen Perspektive auf die Karawanken, mit regionalen Lernorten und Living Labs. Sowie mit neuen Formen gemeinschaftlicher Verantwortung und Finanzierung.
Ein herzliches Danke an alle, die sich auf diesen Parcours eingelassen haben, danke für den Vorabend mit der eindrucksvollen Philosophin, Journalistin und Musikerin Sibyl Urbancic. Danke dem Verein Interferenzen für die Einladung und dem Autor Ulrich Grober (oekom, Verlag Anjte Kunstmann) für seine Bücher und die Möglichkeit, seine Ideen weiterzutragen!

















© Fotos: Verein Interferenzen & AGORA European Green Deal

