Beim Bodenforum Österreich des Umweltbundesamtes in Kals am Großglockner im September 2026 ging es um die besonderen Böden des Alpenraums – und um die Frage, wie Österreich mit diesem kostbaren Gemeingut umgehen kann.
Auf einer Exkursion betrachteten wir Bodenprofile vor Ort und untersuchten eigene Proben. Vertreter:innen aus Wissenschaft, Verwaltung, Landwirtschaft, Tourismus und Bodenschutz kamen dabei miteinander ins Gespräch. Verena Ringler von AGORA nahm am Bodenforum teil und brachte sich in die Diskussion am Podium ein. Drei Gedanken standen für sie im Mittelpunkt.
Europäisches Bodenmonitoring, Renaturierung und ein sparsamer Umgang mit Boden sind nicht nur Schutzaufgaben. Sie können auch eine Chance für Österreich sein – für eine nachhaltige Landwirtschaft, für Biodiversität und für lebenswerte Regionen.
Dass dieses Thema gesellschaftlich breit getragen werden kann, zeigen auch aktuelle Befragungen. Laut der im Mai 2026 veröffentlichten Erhebung „Wie umweltbewusst ist Österreich?“ des Umweltbundesamtes sprechen sich 82 Prozent der Befragten aktiv für Maßnahmen zur Reduktion der Bodenversiegelung aus. Gleichzeitig wird der Schutz produktiver Böden angesichts des anhaltenden Bodenverbrauchs als dringliche Aufgabe wahrgenommen. Der tägliche Bodenverbrauch liegt zuletzt bei mehr als elf Hektar pro Tag.
Auch eine vom Market-Institut im Auftrag des WWF durchgeführte Befragung weist in diese Richtung: Rund 76 Prozent der österreichischen Bevölkerung – also drei von vier Personen – sprechen sich für strengere gesetzliche Regelungen und eine verbindliche Obergrenze gegen die Verbauung der Landschaft aus.
Die Zahlen machen deutlich: Bodenschutz ist kein Thema, das nur Fachleute betrifft. Es gibt ein breites gesellschaftliches Interesse daran, wie mit Boden, Landschaft und natürlichen Lebensgrundlagen umgegangen wird. Umso wichtiger ist eine sachliche und offene Debatte, an der unterschiedliche Perspektiven beteiligt sind – jene, die in und mit der Landwirtschaft arbeiten, ebenso wie Bürgerinnen und Bürger, die Boden, Biodiversität und Landschaft schätzen und wahrnehmen, ohne beruflich täglich damit zu tun zu haben.
2. Von anderen europäischen Ländern lernen
Österreich muss dabei nicht alles neu erfinden. Andere EU-Länder zeigen, wie Bodenschutz als gemeinsame Aufgabe von Politik, Verwaltung und Gesellschaft gedacht werden kann.
Irland ist dafür ein interessantes Beispiel: Dort arbeiten Umwelt- und Landwirtschaftspolitik konstruktiv zusammen und stellen Fragen des Bodens in einen breiteren gesellschaftlichen Zusammenhang. Gerade im europäischen Kontext lohnt sich deshalb der Blick über die eigenen Grenzen – auf unterschiedliche politische Ansätze, institutionelle Modelle und Erfahrungen anderer Länder und freilich auf die zukunftsgerichtete Perspektive der EU.
Denn Bodenschutz ist eine europäische Frage: Die Herausforderungen ähneln sich, auch wenn die regionalen Voraussetzungen unterschiedlich sind: Flächenverbrauch, Nutzungskonflikte, Ernährungssicherheit, Biodiversität, Klimaanpassung und die Widerstandsfähigkeit von Landschaften hängen miteinander zusammen. Der European Green Deal und das Experimentier- und Innovationsprogramm der „Mission Soil“ bilden gute Rahmen und Möglichkeiten dafür.
3. Wissen dorthin bringen, wo Entscheidungen entstehen
Beim Bodenforum brachte Verena Ringler am Podium auch konkrete Überlegungen dazu ein, wie die große Expertise der Bodenkundler stärker in den politischen und öffentlichen Dialog gelangen kann – vor allem in Zeiten von Spardruck einerseits und Fragen nach unserem Zugang im EU Boden Monitoring Gesetz.
Wissenschaftliches Wissen allein verändert noch keine Entscheidungen. Vielmehr muss das Wissen und müssen dort ankommen, wo politische Prioritäten gesetzt, Investitionen vorbereitet und öffentliche Debatten geprägt werden. Dazu gehören gezielte Gespräche mit Entscheidungsträger:innen und Entscheidungsvorbereiter:innen in Politik, Verwaltung, Medien und Wirtschaft. Gerade in Führungskreisen lohnt eine Kommunikation, die wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich macht, ohne ihre Komplexität zu verlieren.
Beim Boden zeigt sich, wie wichtig diese Verbindung ist: Zwischen der wissenschaftlichen Analyse eines Bodenprofils und der politischen Entscheidung über eine Fläche liegen viele Schritte. Der Dialog zwischen Fachwissen, Praxis und Politik kann helfen, diese Schritte besser miteinander zu verbinden.
Österreich verfügt über beeindruckendes Wissen, Erfahrung und Engagement rund um den Boden. Das Bodenforum in Kals hat eindrücklich gezeigt, wie wertvoll es ist, wenn diese Perspektiven erkundend, neugierig und offenherzig zusammenkommen.
Ein herzliches Danke für die wertvollen Gespräche, die inspirierenden Begegnungen und Eure wichtige Arbeit:
Elfi Hasler · Nadine Präg · Birgit Sattler · Sigrid Schwarz · Julia Seeber · Adelheid Spiegel · Monika Tulipan · Andreas Baumgarten · Wolfgang Friesl-Hanl · Hans-Peter Haslmayr · Julius Hecher · Christian Hopfensberger & Team · Thomas Peham · Martin Schiffhauer · Nico Stohandl & Team
Gastkommentar von Verena Ringler in „Die Presse“
Heiße Eisen, Natur und Landwirtschaft






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